„Traditionen bewahren: 150 Jahre Westhoyeler Windmühle“

Reinhard-Klink-Radierung zum Jubiläum erschienen

150 Jahre Westhoyeler Windmühle! Dieses denkwürdige Jubiläum sollte eigentlich am Pfingstmontag 2020 im Rahmen des Deutschen Mühlentages offiziell begangen werden. Obwohl die Feierlichkeiten wegen der Kontaktbeschränkungen zum Schutz vor der Ausbreitung des Corona-Virus‘ abgesagt werden mussten, gibt es anlässlich der 150-Jahr-Feier trotzdem ein ausdrucksstarkes Erinnerungsstück: In Gestalt der Reinhard-Klink-Radierung „Traditionen bewahren: 150 Jahre Westhoyeler Windmühle“ , die Anna-Margaretha Stascheit und Erdmute Wobker und Jürgen Krämer vom Vorstand des Vereins OsnabrückerLandKultur e. V. herausgegeben haben.

Die Übergabe der ersten Blätter der auf 30 Exemplare limitierten Edition an den Vorsitzenden des Vereins zur Restaurierung und Erhaltung der Westhoyeler Windmühle, Günter Oberschmidt, und an dessen Stellvertreter Jan Petering nahm Vorstandsvorsitzender Krämer am Donnerstagabend im Schatten des historischen Wallholländers vor. Die beiden Vereinsrepräsentanten dankten zum einen dem bekannten Osnabrücker Maler, Grafiker und Illustrator für das gelungene Kunstwerk, zum anderen aber auch Erdmute Wobker, Anna-Margaretha Stascheit und Jürgen Krämer für deren Bereitschaft, eine solche Arbeit herauszubringen. „Die 150-Jahr-Feier findet somit auf dem Papier statt – in Form dieser wunderschönen Radierung, die Reinhard Klink vortrefflich gelungen ist“, fand Günter Oberschmidt anerkennende Worte. Er wies in diesem Zusammenhang drauf hin, dass in diesem Jahr in Westhoyel an einen weiteren Ehrentag erinnert wird: „Unser Mühlenverein wurde im Jahre 1985 gegründet. Er wird damit 35 Jahre alt. Auch dieses Ereignis soll mit dieser Radierung in Erinnerung gerufen werden.“

Um sich auf das neue Kunstprojekt vorbereiten zu können, hatte Reinhard Klink bereits Ende Januar 2020 den historischen Wallholländer und das komplette Mühlenensemble mit dem Müller- und dem Backhaus in Augenschein genommen – und danach seiner Kreativität freien Lauf gelassen. Im Mittelpunkt des Bildes steht die große Windmühle, die anno 1870 vom Bauern Mölk errichtet und fortan in drei Generationen als Hofmühle von der Müllerfamilie Menke betrieben wurde: In der Zeit von 1872 bis 1889 von Caspar Menke, von 1889 bis 1935 von Friedrich Menke und in der Zeit von 1935 bis 1975 von Heinrich Menke. Jene Jahre lässt Reinhard Klink im linken Teil seiner Radierung aufleben: Mit Landwirten, die Getreide in großen Säcken mittels Handkarren und Pferdegespann zur Mühle transportieren, um anschließend das fertige Mehl wieder abzuholen.

Die Stilllegung der Mühle vollzog sich langsam – in dem Maße, da die Bauern im Einzugsgebiet ihr Getreide über eigene Schrotmühlen vermahlten. Der letzte Müller, Heinrich Menke, bekam am Ende nur noch kleinere Aufträge und stellte den Betrieb schließlich Mitte der 1970er Jahre vollständig ein. In der Folgezeit nagte der Zahn der Zeit an dem Bauwerk. Die Folge: Der Wallholländer verfiel zusehends. Besonders erfreulich: Im Jahre 1985 fanden sich 19 heimatverbundene Bürger zusammen und hoben den Verein zur Restaurierung und Erhaltung der Westhoyeler Windmühle aus der Taufe – und zwar mit dem Ziel, das historisch bedeutsame Gebäude der Nachwelt zu erhalten. Den mehrjährigen Sanierungsprozess lässt Reinhard Klink am Fuß seiner Radierung deutlich werden. Dort ist die Windmühle in drei Stadien zu sehen: 1. als heruntergekommene Ruine, 2. in der Zeit der Restaurierung mit fleißigen Handwerkern in Aktion und 3. als wiederhergestellte Mühle mit ihren imposanten Flügeln, die weit ins Land hinein grüßen.

Vom Fuß der Radierung aus vollzieht der Künstler einen Brückenschlag in die Gegenwart, indem er am rechten Rand des Bildes die Großveranstaltungen anlässlich des Deutschen Mühlentages am Pfingstmontag sowie die traditionellen Mahl- und Backtage im Jahresverlauf thematisiert: Mit froh gestimmten Besuchern, die im Schatten der Mühle an ausladenden Tischen frisches Brot aus dem Backhaus und kühle Getränke genießen. Reinhard Klink macht mit dieser Darstellung deutlich, dass sich der Wallholländer seit seiner Wiedereinweihung im Jahre 1990 zu einer beliebten Sehenswürdigkeit entwickelt hat, in der historische Handwerkskunst bewahrt und die Pflege der Gemeinschaft im besten Wortsinn gelebt werden. „Dank des Engagements vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer, denen anlässlich des Jubiläums mein ganz großes Dankeschön gilt“, so Günter Oberschmidt.

Die Radierung „Traditionen bewahren: 150 Jahre Westhoyeler Windmühle“ ist ab sofort in der Riemsloher Filiale der Kreissparkasse Melle zu einem Stückpreis in Höhe von 98 Euro erhältlich. Sie kann außerdem über die Geschäftsstelle des Vereins OsnabrückerLandKultur e. V. nach vorheriger Terminvereinbarung unter der Telefonnummer 05422/703103 bezogen werden.


Freuen sich vor dem historischen Wallholländer über das Kunstwerk zum 150-jährigen Bestehen der Westhoyeler Windmühle: (von links) Reinhard Klink, Günter Oberschmidt, Jan Petering und Jürgen Krämer. Foto: Hermann Pentermann

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