{"id":1919,"date":"2010-03-19T19:39:55","date_gmt":"2010-03-19T18:39:55","guid":{"rendered":"http:\/\/jpmdesign.eu\/windmuehle\/?page_id=11"},"modified":"2018-12-10T14:59:38","modified_gmt":"2018-12-10T13:59:38","slug":"hoyeler-muhle","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/?page_id=1919","title":{"rendered":"Westhoyeler M\u00fchle"},"content":{"rendered":"<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-1919 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Zeichnung.gif'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Zeichnung-150x150.gif\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-2133\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-2133'>\n\t\t\t\tZeichnung\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Um_1900.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Um_1900-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-2130\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-2130'>\n\t\t\t\tUm 1900\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Um_1920.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Um_1920-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-2131\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-2131'>\n\t\t\t\tUm 1920\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Winter.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Winter-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-2132\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-2132'>\n\t\t\t\tIm Winter\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Ruckseite.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Ruckseite-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-2129\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-2129'>\n\t\t\t\tR\u00fcckseite\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p><strong>Geschichtlicher Zusammenhang<br \/>\n<\/strong>Kennzeichen der Epoche der landwirtschaftlichen Modernisierung im ausgehenden 19. Jahrhundert war in Deutschland die Entwicklung vom Agrarstaat zum Industriestaat, mit folgenden wichtigen Faktoren:<\/p>\n<ul>\n<li>Gr\u00fcndung des Reiches 1871<\/li>\n<li>Gr\u00fcnderkrise von 1873<\/li>\n<li>R\u00fcckgang der Weltmarktpreise, dadurch \u00dcbergang zur Schutzzollpolitik f\u00fcr Industrie und Landwirtschaft.<\/li>\n<li>Sozialgesetzgebung durch den Staat<\/li>\n<li>Entstehung des Problems \u201cSoziale Frage\u201d durch Industriearbeiter<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Zeitraum von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Jahrhundertwende wurde im Raum Riemsloh-Hoyel u.a. durch folgende Entwicklungen gepr\u00e4gt:<\/p>\n<ul>\n<li>1858 Meyer zu Riemsloh stellt den Betrieb seiner Wasserm\u00fchle ein<\/li>\n<li>1859 Auf dem Eickrott errichtet Meyer zu Riemsloh eine Windm\u00fchle<\/li>\n<li>1861 Die ersten Zigarrenmacher des Fabrikanten Gr\u00f6ne kommen von Osnabr\u00fcck nach Riemsloh und richten hier kleine Zigarrenwerkst\u00e4tten ein<\/li>\n<li>1863 Es gibt acht Schankwirtschaften im Dorf Riemsloh<\/li>\n<li>1867 Von Neuenkirchen nach Melle \u00fcber Riemsloh und zur\u00fcck verkehrt die erste \u201aFahrpost\u2018. Eine Postagentur wird in Riemsloh eingerichtet<\/li>\n<li>1869 Meyer zu Riemsloh f\u00fchrt die ersten Versuche mit einer M\u00e4hmaschine durch<br \/>\n1882 Die ersten Telegraphenmasten zwischen Neuenkirchen und Riemsloh werden aufgestellt, der Ort erh\u00e4lt Telefon<\/li>\n<li>1900 Bau einer Zigarrenfabrik von C. Wellensiek aus B\u00fcnde am \u00f6stlichen Dorfrand<\/li>\n<li>1908 Der Landarzt f\u00e4hrt das erste Auto in Melle<\/li>\n<li>1908 bis 1926 wird die Dorfstra\u00dfe mit Kopfsteinen gepflastert<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Bev\u00f6lkerung in Deutschland nahm zwischen 1870 und 1914 von ca. 40 auf ca. 65 Millionen zu, das entspricht einem j\u00e4hrlichen Zuwachs von ca. 1,5%. Die Besiedlungsphase im l\u00e4ndlichen Raum durch die Neubauern war weitgehend abgeschlossen. In Riemsloh war wie im l\u00e4ndlichen Raum allgemein im 19. Jahrhundert nur eine geringe Bev\u00f6lkerungszunahme zu verzeichnen. Die Vogtei\/Samtgemeinde Riemsloh-Hoyel (einschlie\u00dflich Bennien} mit einer Fl\u00e4che von 35,4 km2 entwickelte sich wie folgt:<\/p>\n<ul>\n<li>1821 3.252 Einwohner 92 E\/km2<\/li>\n<li>1848 3.809 Einwohner 107 E\/km2<\/li>\n<li>1871 3.576 Einwohner 101 E\/km2<\/li>\n<li>1885 3.537 Einwohner 100 E\/km2<\/li>\n<li>1905 3.583 Einwohner 101 E\/km2<\/li>\n<\/ul>\n<p>In den starken Auswandererjahren 1833 bis 1892 verlie\u00dfen (mit Unterbrechungen) pro Jahr bis zu 1% der Bev\u00f6lkerung den Raum Riemsloh-Hoyel \u00fcberwiegend in Richtung Amerika. Meist waren das junge M\u00e4nner bis zu 25 Jahren, aber um dem Milit\u00e4rdienst zu entgehen, wanderten oftmals sogar 12- bis l3j\u00e4hrige aus. Auffallend war auch der gro\u00dfe Anteil lediger junger Frauen, die im heimischen Raum keine Chance sahen, sich zu verheiraten und ihr Gl\u00fcck in Amerika suchten.<\/p>\n<p><strong>Verkehrswege<br \/>\n<\/strong>Die Stra\u00dfenf\u00fchrungen (Chausseen und Landstra\u00dfen) im 19. Jahrhundert gehen auf jahrhundertealte Wege als Vorl\u00e4ufer zur\u00fcck. Neue Regionalstra\u00dfen wurden nicht angelegt, sondern die vorhandenen ausgebessert, begradigt oder mit einer Steindecke versehen.<br \/>\nDer erste gro\u00dfe Ausbau der Chausseen erfolgte im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Als Chaussee ist eine Stra\u00dfe mit fester Unterschicht sowie glatter und fester Oberschicht (anfangs Kies und Schotter) anzusehen. Ab ca. 1820 wurden in die Stra\u00dfenoberdecke nach dem \u201aMacadam-Verfahren\u2018 kleine Steine mit eingewalzt. Um 1900 gab es in der Samtgemeinde Riemsloh-Hoyel folgende numerierte und befestigte Verkehrswege:<\/p>\n<ul>\n<li>Osnabr\u00fcck-Riemsloh-Herford (via regia), ausgebaut 1765<\/li>\n<li>Riemsloh-Bruchm\u00fchlen 1870<\/li>\n<li>Riemsloh-Wallenbr\u00fcck<\/li>\n<li>Bruchm\u00fchlen-Hoyel<\/li>\n<li>Riemsloh-Bruchm\u00fchlen\/H\u00fcnenburgweg 1791<\/li>\n<li>Riemsloh-Gro\u00df Aschen-B\u00fcnde 1785<\/li>\n<li>Hoyel-Gro\u00df Aschen<\/li>\n<li>Krukum-Wetter 1902\/1903<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nach einer Bauzeit von 3 1\/2 Jahren wurde die \u201aC\u00f6ln-Mindener-Eisenbahn\u2018 am 15.10.1847 eingeweiht. Die Planungen f\u00fcr den Anschlu\u00df ab L\u00f6hne in Richtung Osnabr\u00fcck-Rheine bis zur K\u00fcste begannen ab 1844, besiegelt mit dem endg\u00fcltigen Staatsvertrag zwischen Preu\u00dfen und Hannover im Jahre1846. Im Juni 1855 verkehrte der erste Lokomotivzug mit Arbeitsmaterialien auf der Strecke von L\u00f6hne bis Wissingen. Die Einweihungsfahrt war im November 1855 auf dem Streckenabschnitt von L\u00f6hne nach Osnabr\u00fcck.Um 16.30 Uhr passierte der Zug die Ehrenpforte an der Wetterbr\u00fccke und damit den Raum Riemsloh. Die offizielle Er\u00f6ffnung der gesamten Westbahn von Hannover bis Emden erfolgte am 19. Juni 1856.<br \/>\nF\u00fcr den Raum Riemsloh-Hoyel lassen sich in den ersten Jahren nach der Fertigstellung der Westbahn keine positiven Ans\u00e4tze f\u00fcr eine industrielle Ansiedlung finden. Wesentliche Verbesserungen der Infrastruktur des Raumes w\u00e4ren durch die Realisierung der verschiedenen Kleinbahnprojekte (ab ca. 1890) zu erzielen gewesen, die jedoch aus Kostengr\u00fcnden und mangelnder Rentabilit\u00e4t nicht zur Durchf\u00fchrung gelangten. Geplant waren Kleinbahnstrecken mit einer Spurbreite von 600 mm (sp\u00e4ter 1000 mm) und einer Geschwindigkeit von 20 km\/h (30 km\/h) von Melle \u00fcber Riemsloh nach Wallenbr\u00fcck, von Melle \u00fcber Insingdorf-Neuenkirchen-Wallenbr\u00fcck mit einer Abzweigung nach Borgholzhausen, bzw. von Melle \u00fcber Dielingdorf-Neuenkirchen-Wallenbr\u00fcck mit einer Abzweigung nach Borgholzhausen. Die Projekte waren vom Kreisausschu\u00df beschlossen, steigende Kosten und \u00fcbergeordnete Beh\u00f6rden verhinderten aber um 1920 die Durchf\u00fchrung. Der l\u00e4ndliche Raum Riemsloh-Hoyel w\u00e4re m\u00f6glicherweise durch diese Vernetzung st\u00e4rker in die industrielle Entwicklung eingebunden worden.<\/p>\n<p><strong>Die Windm\u00fchle<br \/>\n<\/strong>Die Westhoyeler Windm\u00fchle wurde 1870 vom Bauern M\u00f6lk (vormals Westhoyel Nr. 5) erbaut. Die Hofst\u00e4tte lag etwa 150 m s\u00fcd\u00f6stlich von der Windm\u00fchle entfernt, sie ist heute nicht mehr vorhanden. Infolge von mehrfachen Besitztumswechseln (M\u00f6lk-Heilmann-M\u00fcnchmeyer-Heilmann-Berger) sind leider keine Unterlagen aus dieser Zeit erhalten geblieben. Betrieben wurde die M\u00fchle ausschlie\u00dflich von der Familie Menke, M\u00fcllermeister Heinrich Menke hatte sie seit Mitte der drei\u00dfiger Jahre gepachtet.<br \/>\nGegen Ende des 19. Jahrhunderts existierte eine Reihe von M\u00fchlen in der n\u00e4heren Umgebung. Im gesamten Meller Kreisgebiet gab es etwa 90 M\u00fchlen, davon 9 Wind- und 57 Wasserm\u00fchlen sowie 24 G\u00f6pel. Zum Vergleich: Im heutigen Kreis Enger gab es 25 M\u00fchlen, davon 8 Wind- und 9 Wasserm\u00fchlen, im Kreis Spenge existierten 16 M\u00fchlen, davon 4 Wind- und 7 Wasserm\u00fchlen, der Rest bestand aus G\u00f6peln und Motorm\u00fchlen. Unter Ber\u00fccksichtigung der damaligen Einwohnerzahlen versorgte eine M\u00fchle ca. 290-360 Personen in einem Einzugsgebiet von knapp 3 km2.<br \/>\nOffenbar traten trotzdem Engp\u00e4sse beim Vermahlen auf, vielleicht war auch der Transport des Mahlgutes auf den alten, ausgefahrenen und oftmals morastigen Wegen zu beschwerlich, jedenfalls machte sich Bauer M\u00f6lk Beziehungen zum D\u00fcingberg in D\u00fcingdorf zunutze und bezog von dort die Natursteine f\u00fcr den M\u00fchlenturm.<br \/>\nDieser wurde nebst Wall von Grund auf gemauert, d.h. die Stockwerke wurden sofort eingezogen. Wegen der konischen Form des M\u00fchlenturmes verlaufen die Mauerfugen schr\u00e4g nach unten, der daraus resultierende Wasserdurchbruch be\u00adreitet bis heute Sorgen. Die tragenden Balken konnten bei der M\u00fchlenrestauration nicht einfach herausgezogen und erneuert werden, sie wurden statt dessen im Hakenblattverfahren (in Teilen) ersetzt.<br \/>\nDie M\u00fchlsteine aus Blaubasalt wurden 1872 wahrscheinlich aus Niedermendig bei Andernach bezogen (zu der Zeit ein wohlbekannter M\u00fchlsteinbruch), der Sandstein des Schrotganges vermutlich aus Hannoversch-M\u00fcnden. Alle M\u00fchlsteine in der heutigen M\u00fchle sind noch die Originale.<br \/>\nDie M\u00fchle wurde als Hofm\u00fchle drei Generationen lang je\u00adweils im \u201aEin-Mann-Betrieb\u2018 von der M\u00fcllerfamilie Menke betrieben: Von 1872-1889 Caspar Menke, von 1889-1935 Friedrich Menke und von 1935-1975 Heinrich Menke. Bis etwa 1920 erfolgte der Antrieb mit Windkraft.<br \/>\nDas w\u00fcrde bedeuten, da\u00df bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von 15 Jahren bis zu diesem Zeitpunkt das Fl\u00fcgel- kreuz mindestens drei Mal erneuert werden mu\u00dfte. Nach m\u00fcndlicher Uberlieferung soll um 1905 ein Sturm die Kappe von hinten angehoben haben. Da zu diesem Zeitpunkt das Fl\u00fcgelkreuz in \u201aPausenstellung\u2018 (s. 5. 12) stand, wurde der nach unten zeigende Fl\u00fcgel gegen den M\u00fchlenturm gedr\u00fcckt, was das Herunterwehen der gesamten Kappe mitsamt Fl\u00fcgeln und damit das Schlimmste verhinderte. Trotzdem d\u00fcrfte eine General\u00fcberholung f\u00e4llig gewesen sein. Damit w\u00e4re die letzte Fl\u00fcgelerneuerung auf etwa 1905 festgelegt.<br \/>\nNach der Zerst\u00f6rung der Fl\u00fcgel \u00fcbernahm ab ca. 1914 ein Bezolmotor den Antrieb. Er leistete 15-18 PS und stand in einer kleinen H\u00fctte, die hinter der M\u00fchle errichtet wurde. Der Motor verf\u00fcgte \u00fcber ein gro\u00dfes Schwungrad, er soll sehr stark gestaubt haben. Ab ca. 1920 besorgte ein Sauggasmotor den Antrieb: Von gl\u00fchenden Kohlen wurden die Gase abgesaugt, durch einen Filter gereinigt und dann verdichtet. Das Ansaugen soll ein charakteristisches, lautes Ger\u00e4usch verursacht haben, das weithin zu h\u00f6ren war. Um 1935 wurde schlie\u00dflich ein 15 PS starker Deutz-Diesel installiert. Der jeweilige Motor trieb \u00fcber eine Transmission das Kegelradgetriebe und weiter \u00fcber ein Zahnradgest\u00e4nge das Spindelrad an.<\/p>\n<p><strong>Die Elektrifizierung der M\u00fchle<br \/>\n<\/strong>Da die Unterlagen \u00fcber den Anschlu\u00df der M\u00fchle Westhoyel an das elektrische Netz die einzigen bisher aufgefundenen Originalbelege sind, soll dieser Komplex hier ausf\u00fchrlicher dargestellt werden.<br \/>\nSeit Anfang des Jahrhunderts gewann die Elektrizit\u00e4t immer mehr an Boden. Diese Entwicklung hatte einen kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzenden Einflu\u00df auf das t\u00e4gliche Leben und stellt r\u00fcckschauend sicher die zur damaligen Zeit am nachhaltigsten wirkende technologische Neuerung dar.<br \/>\nZum einen wurde nunmehr eine Energie angewendet, die nach entsprechenden infrastrukturellen Ma\u00dfnahmen prak\u00adtisch \u00fcberall und auf Knopfdruck verf\u00fcgbar war. Diese mu\u00dfte bald von den gro\u00dfen, meist weit entfernten \u201eUberlandzentralen\u201c bezogen werden, da kleine, dezentrale Energieversorger die Nachfrage vor Ort nach wenigen Jahren nicht mehr decken konnten. Die Umstellung auf elektrische Energie war sicher gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig: Hier wurde keine Ware mehr \u00fcber den Ladentisch verkauft, sondern \u00fcber einen gewissen Zeit\u00adraum hinweg bezogen, wobei der tats\u00e4chliche Verbrauch immer neu ermittelt werden mu\u00dfte.<br \/>\nAndererseits hatte nun jeder, der \u00fcber die notwendigen Finanzmittel verf\u00fcgte, die M\u00f6glichkeit, elektrisch betriebene Maschinen zu installieren und somit von Dienstleistungen Dritter unabh\u00e4ngig zu werden. So konnten die Bauern jetzt daran denken, selbst Schrotm\u00fchlen auf ihren H\u00f6fen aufzustellen um durch diese Investition die Lohnm\u00fcllerei zu umgehen. Die zunehmende Abh\u00e4ngigkeit von der Elektrizit\u00e4t sollte in dem Zusammenhang allerdings nicht \u00fcbersehen werden.<br \/>\nBetrachten wir die Situation in Westhoyel und Umgebung. Anders als z. B. in St. Annen, wo die Firma Bitter &amp; Sohn \u00fcber einen Sauggasmotor mit Dynamo bis 1935 Teile der Gemeinde mit Gleichstrom versorgte, gab es in Riemsloh, Westhoyel und Hoyel keine Kleinstkraftwerke (die Martm\u00fchle an der Warmenau lieferte nur Strom f\u00fcr den Eigenbedarf).<br \/>\nDer Beginn der Elektrifizierung im Kreis Melle datiert am 28.2. 1912, als in Buer die ersten Anschl\u00fcsse an das Netz der Nieders\u00e4chsischen Kraftwerke (NIKE) erfolgten. Danach wurden Bakum und Gesmold angeschlossen. Ein Jahr sp\u00e4ter waren die H\u00e4user in Riemsloh vorbereitet, am 24.4.1914 erhielt die Windm\u00fchle Meyer zu Riemsloh den ersten Strom. Der Aufbau einer 10kW-Leitung nach Hoyel war bereits 1911 anvisiert und 1913 vertraglich geregelt worden, konnte kriegsbedingt jedoch erst 1918\/19 erfolgen. Hoyel bezog den ersten Strom im September 1919. Die Leitung f\u00fchrte von Riemsloh durch die Bauerschaft Westhoyel nach Hoyel. In Westhoyel wurden zun\u00e4chst keine Anschl\u00fcsse vorgenommen.<br \/>\nDies mag damit zusammenh\u00e4ngen, da\u00df sich dort nicht gen\u00fcgend Stromkunden gemeldet hatten. In Hoyel erstellte die NIKE nur die Hochspannungsleitung nebst Trafostation. Die Hausanschl\u00fcsse mitsamt Freileitungen zu den H\u00e4usern wurden von den Endverbrauchern, die sich zu einer Stromgenossenschaft zusammengeschlossen hatten, vorgenommen. Innerhalb dieser Genossenschaft bildeten sich Nachbarschaften, die durch Absprachen untereinander daf\u00fcr sorgten, da\u00df die gelieferte Leistung tageszeitlich verteilt abgenommen wurde. Die erste Kontaktaufnahme mit der NIKE im Auftrag Westhoyeler Interessenten erfolgte am 21.9.1921 durch die Firma C. H. Sch\u00fcrmann in Hoyel (\u201aLager und Lieferung von s\u00e4mtlichen Maschinen u. Ger\u00e4ten, Fahrr\u00e4der &#8211; N\u00e4hmaschinen &#8211; Motorr\u00e4der, Centrifugen. Installation elektrischer Licht- und Kraftanlagen\u2018).<br \/>\nBereits 10 Tage sp\u00e4ter lag das Angebot der NIKE vor und am 7.12.1921 bezogen die ersten vier Westhoyeler Abnehmer elektrischen Strom: Meyer, Ostermann, B\u00fcnger und Stertmann. Die NIKE belieferte diese Kunden bis zum Hausanschlu\u00df.<br \/>\nIn der Folge wurde das Ortsnetz laufend erweitert, knapp westlich an der M\u00fchle vorbei zu Aring (Westhoyel Nr. 15) und weiter zur H\u00fcnenburg, jedoch nicht zur M\u00fchle Menke. Erst knapp drei\u00dfig (!) Jahre sp\u00e4ter, am 29.12.1949 forderte die Fa. Engelbrecht &amp; Lemmerbrock im Auftrag von Fritz Menke einen Kostenvoranschlag \u00fcber den Neuanschlu\u00df der M\u00fchle an, der Antrag folgte am 19.9.1950, seit dem 6. 12.1950 konnte die M\u00fchle dann \u00fcber einen 18 PS starken Elektromotor angetrieben werden.<br \/>\nDa die Leitung direkt vor der M\u00fchle verlief, w\u00e4re ein Stromanschlu\u00df schon um 1920 relativ kosteng\u00fcinstig m\u00f6glich gewesen. Die Gr\u00fcnde, warum dies nicht erfolgte, liegen im Dunkeln. Vielleicht sollte sich zun\u00e4chst der ebenfalls zu der Zeit angeschaffte Sauggasmotor amortisieren. Wom\u00f6glich fehlte auch ganz einfach das Geld oder man schreckte vor Investitionen zur\u00fcck und mi\u00dftraute der neuen Technik.<br \/>\nTrotz der nun verf\u00fcgbaren Elektrizit\u00e4t wurde die Beleuchtung weiter mit Sturmlaterne und Karbidlampe besorgt: \u201eDat briukt wui nich, dat hu\u00e4wet wui juimmer s\u00e4o huat\u201c. Es vergingen nochmals viele Jahre, bis auch im M\u00fcllerhaus die Elektrizit\u00e4t Einzug hielt: Mit Anschreiben vom 18.10.1966 wurde ein bereits drei Jahre vorher ausgef\u00fcllter Antrag eingereicht, die Stromabnahme erfolgte schon zwei Monate vorher, im August 1966.<br \/>\nDie Stillegung der M\u00fchle vollzog sich langsam, in dem Ma\u00dfe, da die Bauern im Einzugsgebiet ihr Getreide \u00fcber eigene Schrotm\u00fchlen vermahlten. Der letzte M\u00fcller Heinrich Menke bekam schlie\u00dflich nur noch kleinere Auftr\u00e4ge und stellte den Betrieb gegen Ende der siebziger Jahre v\u00f6llig ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichtlicher Zusammenhang Kennzeichen der Epoche der landwirtschaftlichen Modernisierung im ausgehenden 19. 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