{"id":2105,"date":"2016-04-15T14:44:22","date_gmt":"2016-04-15T12:44:22","guid":{"rendered":"http:\/\/54225332.swh.strato-hosting.eu\/wpmuehle\/?page_id=2105"},"modified":"2016-04-15T14:57:57","modified_gmt":"2016-04-15T12:57:57","slug":"geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/?page_id=2105","title":{"rendered":"Geschichte"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"art-PostHeader\"><\/h2>\n<div class=\"art-PostContent\">\n<p><strong>Allgemeines zur M\u00fchlengeschichte<\/strong><\/p>\n<p>Vereinfacht gesagt bestehen Getreidek\u00f6rner aus drei Teilen, der Schale, dem Keim und dem Mehlk\u00f6rper.<\/p>\n<p>Das Vermahlen ist notwendig, da die intakten K\u00f6rner zu hart zum Kauen und in unverarbeiteter Form zu schwer verdaulich sind. Die Zerkleinerung erfordert gro\u00dfe k\u00f6rperliche Anstrengungen. Es ist daher nicht verwunderlich, da\u00df der menschliche Erfindungsgeist fr\u00fchzeitig Ger\u00e4te ersann, die diese t\u00e4gliche Last erleichterten.<\/p>\n<p>Die Bedeutung des Mahlger\u00e4tes kommt schon im alten Testament zum Ausdruck:<\/p>\n<p>\u201eMan darf nicht die Handm\u00fchle oder den oberen M\u00fchlstein als Pfand nehmen,<\/p>\n<p>denn dann nimmt man das Leben selbst als Pfand\u201c (5. Buch Mose, Kap. 24, Vers 6).<\/p>\n<p>Nachdem M\u00f6rser und Quernen durch einfache Mahlwerke ersetzt waren und sich die wirtschaftliche Bedeutung von M\u00fchlen abzeichnete, wurde durch das M\u00fchlenregal von der Obrigkeit meist unter klarer Wahrung der eigenen Interessen der Bau, Betrieb und auch die Nutzung der M\u00fchlen geregelt.<\/p>\n<p>Die Matte (auch Multer oder Mahllohn genannt) war die Bezahlung des M\u00fcllers durch den Mahlgast, das hei\u00dft der Teil an Mehl oder Schrot, den der M\u00fcller selbst behalten durfte, meistens 6,25% (ein Sechzehntel). Um unerw\u00fcnschter Konkurrenz vorzubeugen, wurden Zwangsm\u00fchlen eingerichtet. Diese sollten die Versorgung der Bev\u00f6lkerung bei einem garantierten Kundenkreis in ihrem Einzugsbereich sicherstellen. Das Verniahlen bei anderen M\u00fchlen war verboten, selbst dann, wenn dort die Matte g\u00fcnstiger war oder der Transport nicht so beschwerlich.<\/p>\n<p>Mit Beginn der industriellen Revolution geriet diese Ordnung zunehmend in Bedr\u00e4ngnis, eine freie Entfaltung des Wirtschaftslebens war nur durch Gewerbefreiheit zu erreichen. Diese wurde in Preu\u00dfen 1810 und im K\u00f6nigreich Hannover 1869 eingef\u00fchrt. Damit hatte jeder das Recht, eine M\u00fchle zu bauen und zu betreiben.<\/p>\n<p>Die M\u00fcller profitierten von der Lockerung der Zunftordnung, obwohl sie selbst nie in Z\u00fcnften organisiert gewesen waren: Von alters her galten M\u00fcller als unehrlich. Dies mag mit ihrer Vertrautheit mit Wind und Wetter zusammenh\u00e4ngen, die nur zu gern als \u201amit dem Teufel im Bunde\u2018 angesehen wurde, und auch damit, da\u00df dem unvermeidlichen Volumenverlust zwischen Korn und Mehl von den Mahlg\u00e4sten mit Mi\u00dftrauen begegnet wurde.<\/p>\n<p>In der Folge wurden in den d\u00fcnn besiedelten l\u00e4ndlichen Bereichen von verm\u00f6genden Bauern oftmals M\u00fchlen f\u00fcr den Ei\u00adgenbedarf erbaut. Diese Hofm\u00fchlen dienten vor allem der Herstellung von Futterschrot f\u00fcr das Vieh, drei Viertel des Mahlgutes wurden f\u00fcr diesen Zweck verbraucht und nur ein Viertel fand den Weg ins Brot. Aufgrund der Tatsache, da\u00df zumal im l\u00e4ndlichen Raum ein Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung entwe\u00adder selbst Bauer oder als K\u00f6tter einem Bauern zugeh\u00f6rig war, hatten die Ilofm\u00fchlen sicher gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr die Versor\u00adgung mit Mehl.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu heute lebte man damals \u201amehr f\u00fcr sich\u2018, in kleinen, \u00fcberschaubaren d\u00f6rflichen Gemeinschaften mit vie\u00adlen dezentralen M\u00fchlen. Parallel zu dieser Entwicklung fand eine Umstellung der Ern\u00e4hrungsgewohnheiten statt: W\u00e4h\u00adrend bis etwa 1850 Gr\u00fctze aus Gerste und Buchweizen und danach Kartoffeln das Hauptnahrungsmittel darstellten, erlangte nunmehr Brot immer mehr Bedeutung, wobei vor allem Roggen und Menggetreide zu Brotmehl vermahlen wurde.<\/p>\n<p>Im einzelnen erzeugten die M\u00fchlen folgende Produkte:<\/p>\n<ul>\n<li><em>Graupen, also Getreidek\u00f6rner ohne Schale (meist Gerste)<\/em><\/li>\n<li><em>Gr\u00fctze (leicht geschrotete Graupen)<\/em><\/li>\n<li><em>Futterschrot (grob zerkleinertes Getreide)<\/em><\/li>\n<li><em>Gries (grobes Getreidemahlgut)<\/em><\/li>\n<li><em>Kleie (Getreider\u00fcckst\u00e4nde nach der Mehlaussiebung)<\/em><\/li>\n<li><em>Bollmehl (dunkler Gries, feiner als Kleie)<\/em><\/li>\n<li><em>(Fein)Mehl<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Da in fr\u00fcherer Zeit eine Konservierung durch Tiefk\u00fchlen oder chemische Zus\u00e4tze nicht m\u00f6glich war \u201agestaltete sich der Ab\u00adlauf vom Korn zum Brot entsprechend: Das frisch gem\u00e4hte Korn wurde nicht immer sofort ausgedroschen, sondern oft mitsamt den \u00c4hren gelagert. Bei Bedarf wurde dann ein Teil des Getreides gemahlen und sofort verbacken, in der Regel alle drei bis vier Wochen. Die Menge richtete sich nach dem Fassungsverm\u00f6gen des Ofens, meist 20 bis 30 Brote.<\/p>\n<p>Mehlsorten werden heute nach dem Anteil Asche eingeteilt, der beim Verbrennen \u00fcbrig bleibt. Sind dies beispielsweise 405 mg von anfangs 100 g Weizenmehl (also 0.405 %)\u201a so liegt der allseits bekannte \u201aTyp 405\u2018 vor. Weitere Weizenmehle sind Typ 550, 1050 und 1700, letzteres ist schon ein Weizenvoll\u00adkornschrot. Beim Roggenmehl sind die Typen 1150 und 1800 (Roggenvollkornschrot) g\u00e4ngig.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Backf\u00e4higkeit ist ein hoher Kleberanteil im Mehlk\u00f6rper wichtig, da solche Mehle Wasser gut binden. Faustregel: Je trockener der Sommer, desto h\u00f6her der Kleberanteil. Ein typisches Graubrot besteht zu 30% aus Typ 550, zu 70% aus Typ 1150, dazu kommen noch Sauerteig, Salz, Wasser und Hefe. Nach dem Kneten l\u00e4\u00dft man den Teig etwa 30 Minuten gehen, dann wird bei 750 g Broten 30 Minuten bei 250 0C gebacken.<\/p>\n<p><em>Die Bedeutung der M\u00fcllerei f\u00fcr das allt\u00e4gliche Leben hat ihren Niederschlag in vielen Redensarten gefunden, die noch immer in Gebrauch sind:<\/em><\/p>\n<ul>\n<ul>\n<li>Gottes M\u00fchlenmahlen langsam, mahlen aber trefflich klein<\/li>\n<li>Wer mahlen will, mu\u00df in der M\u00fchle bleiben<\/li>\n<li>Wer zuerst kommt, mahlt zuerst<\/li>\n<li>Mir wird von alledem so dumm, als ginge mir ein M\u00fchlrad im Kopf herum<\/li>\n<li>Wasser auf jmds. M\u00fchle sein<\/li>\n<li>Sein Ma\u00df ist voll, er ist zur Ernte reif<\/li>\n<li>Ein ger\u00fcttelt Ma\u00df<\/li>\n<li>Wer Ma\u00df h\u00e4ltin allen Dingen, der wird\u2018s auch zu etwas bringen<\/li>\n<li>Das Ma\u00df ist voll<\/li>\n<li>Mit zweierlei Ma\u00df messen<\/li>\n<\/ul>\n<\/ul>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Allgemeines zur M\u00fchlengeschichte Vereinfacht gesagt bestehen Getreidek\u00f6rner aus drei Teilen, der Schale, dem Keim und dem Mehlk\u00f6rper. Das Vermahlen ist notwendig, da die intakten K\u00f6rner zu hart zum Kauen und in unverarbeiteter Form zu schwer verdaulich sind. Die Zerkleinerung erfordert gro\u00dfe k\u00f6rperliche Anstrengungen. Es ist daher nicht verwunderlich, da\u00df der menschliche Erfindungsgeist fr\u00fchzeitig Ger\u00e4te ersann, die diese t\u00e4gliche Last erleichterten. 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