{"id":71,"date":"2010-03-19T21:16:39","date_gmt":"2010-03-19T20:16:39","guid":{"rendered":"http:\/\/jpmdesign.eu\/windmuehle\/?page_id=71"},"modified":"2016-04-15T14:46:09","modified_gmt":"2016-04-15T12:46:09","slug":"entwicklung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/?page_id=71","title":{"rendered":"Entwicklung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Entwicklung der M\u00fchlen<\/strong><\/p>\n<p>Neben grundlegenden Erfindungen wie dem Rad und der geschickten Ausnutzung von Naturerscheinungen wie dem Feuer geh\u00f6rt das M\u00fchlenwesen zu den fr\u00fchesten Errungenschaften der Menschheit. M\u00fchlen z\u00e4hlen zu den ersten Maschinen,deren technische Vervollkommnung gegen Ende des letzten Jahrhunderts auf eine F\u00fclle teils wesentlicher Entwicklungen zur\u00fcckgeht: Holzbearbeitung, Werkzeugmacherei, pa\u00dfgenaue Herstellung von Getrieben und Zahnr\u00e4dern, um nur ein paar Beispiele zu nennen.<\/p>\n<p>Der Ursprung der (Wasser)M\u00fchlen verliert sich im Dunkel der Geschichte, mu\u00df jedoch sicher deutlich fr\u00fcher als der Bau der ersten Windm\u00fchlen angenommen werden. Diese wurden angeblich in Agypten schon um 1000 v. Chr. beschrieben, was allerdings \u00e4u\u00dferst fragw\u00fcrdig ist. Andere Autoren datieren sie erst viel sp\u00e4ter (947 n. Chr. in Seistan\/Persien), zudem als horizontale M\u00fchlen, bei denen sich die Fl\u00fcgel parallel zum Erdboden drehen, im Gegensatz zu den heutigen Windm\u00fchlen.<\/p>\n<p>868 n. Chr. wurden M\u00fchlen in England urkundlich erw\u00e4hnt, die Quellen sind jedoch zweifelhaft. Die ersten verl\u00e4\u00dflichen Datierungen sind 1180 in der Normandie, 1182 in L\u00fcbeck, 1222 in K\u00f6ln und 1307 in M\u00fcnster in Westfalen. Es waren dies ausnahmslos Bock windm\u00fchlen, manchmal f\u00e4lschlicherweise auch \u201adeutsche\u2018 M\u00fchlen genannt. Bei diesem M\u00fchlentyp war das gesamte M\u00fchlengeb\u00e4ude auf einem \u201aBock\u2018 in den Wind drehbar. Das erforderte \u00fcbrigens nicht unbedingt mehr Kraft, als das Drehen der Kappen von Kappenwindm\u00fchlen, da bei diesen die Reibungsfl\u00e4che gr\u00f6\u00dfer ist als bei ein-Punktgelagerten Bockwindm\u00fchlen. Heutzutage sind die letzteren im nordwestdeutschen Raum selten zu finden, Interessierte seien auf das westf\u00e4lische Freilichtmuseum in Detmold, das Freilichtmuseum in Cloppenburg und die M\u00fchlenstra\u00dfe im Kreis Minden-L\u00fcbbecke verwiesen.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2038 size-medium aligncenter\" title=\"Muehlentyp-001\" src=\"http:\/\/54225332.swh.strato-hosting.eu\/wpmuehle\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Muehlentyp-001-300x216-300x216.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"216\" \/><\/p>\n<p>Etwa zur gleichen Zeit fanden sich im gesamten Mittelmeerraum bereits Turmwindm\u00fchlen, die von der Form her den heutigen Windm\u00fchlen nicht un\u00e4hnlich waren, jedoch keine drehbare Kappe besa\u00dfen, auch die Fl\u00fcgel waren anders konstruiert. Einige Leser haben die Nachkommen dieser M\u00fchlen vielleicht schon einmal auf Kreta gesehen.<\/p>\n<p>Obwohl die Bockwindm\u00fchlen eine konstruktive Meisterleistung darstellten, waren ihre Instabilit\u00e4t insbesondere bei Windb\u00f6en und die relative r\u00e4umliche Enge starke Beweg\u00adgr\u00fcnde, nach besseren L\u00f6sungen zu suchen. Schon Leonardo da Vinci hatte 1346 eine Steinm\u00fchle mit drehbarem Dach skizziert, die ersten nachgewiesenen Exemplare fanden sich jedoch erst 1450 sehr viel weiter n\u00f6rdlich in der Gegend von Zeddani\/Geldern in den Niederlanden. Bei diesem M\u00fchlentyp war der ger\u00e4umige M\u00fchlensockel in (meist achteckiger) Holzverbundbauweise ausgef\u00fchrt, sp\u00e4ter gab es auch \u2014 je nach Untergrund \u2014 gemauerte (Rund)Sockel. Oben auf dem M\u00fchlenturm befand sich die lose aufgesetzte Kappe. Diese enthielt das Getriebe zur Kraft\u00fcbertragung nach unten zu den M\u00fchlsteinen. Nur die Kappe wurde in den Wind gedreht, ein entscheidender Vorteil, zumal nach dem Auf\u00adkommen von gu\u00dfeisernen Laufkr\u00e4nzen und Rollen.<\/p>\n<p>Um die Fl\u00fcgel st\u00e4rkerem Wind auszusetzen, konnten die M\u00fchlent\u00fcrme mehrere Stockwerke hoch gemauert bzw. gezimmert werden. Dann waren zum Besegeln der Fl\u00fcgel Galerien notwendig: Galeriewindrn\u00fchlen bzw., in Anspielung auf die Herkunft, Galerieholl\u00e4nder. In anderen F\u00e4llen wurde ein Wall rings um den M\u00fchlenstumpf aufgesch\u00fcttet, so auch beim Westhoyeler Wallholl\u00e4nder.<\/p>\n<p>Zwei entwicklungstechnische Zwitter sollen noch erw\u00e4hnt werden: Der Paltrock, oft umgebaute Bockwindm\u00fchlen, bei denen die Seitenw\u00e4nde verst\u00e4rkt und bis auf den Erdboden heruntergef\u00fchrt wurden und dort \u00fcber Laufkatzen und eine Rollenbahn das gesamte M\u00fchlengeb\u00e4ude drehten. Paltrockm\u00fchlen waren oft S\u00e4gem\u00fchlen. Schlie\u00dflich die Kokerm\u00fchlen\u2018 auch Wipp- oder K\u00f6cherrn\u00fchlen genannt, die ein Mittelding zwischen Bockwindm\u00fchlen und Turmwindm\u00fchlen mit dreh\u00adbarer Kappe darstellen.<\/p>\n<p>Mit den Holl\u00e4nderwindm\u00fchlen war zwar ein gro\u00dfer Sprung nach vorn getan, aber das In-den-Wind-Drehen und die wind- gerechte Besegelung waren noch immer reine Knochenarbeit. Skeptiker k\u00f6nnen sich in Westhoyel gerne davon \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2041 size-medium aligncenter\" src=\"http:\/\/54225332.swh.strato-hosting.eu\/wpmuehle\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Muehlen-0012-300x165-300x165.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"165\" \/><\/p>\n<p>Englische und schottische T\u00fcftler sorgten f\u00fcr Verbesserungen. Zum einen wurde 1745 die Windrose erfunden, ein klei\u00adnes Windrad mit stark geneigten Rotorbl\u00e4ttern, die quer zu den Antriebsfl\u00fcgeln stehen. Wenn diese nicht genau gegen den Wind gerichtet sind, wird die Windrose in Drehung versetzt. Durch eine starke Untersetzung wird die Kappe langsam in den Wind gedreht. In Westhoyel wurde nie eine vollautomatische Windrose eingebaut, sondern nur ein manuell drehbares Gaffelrad.<\/p>\n<p>Die Problematik des Anpassens der Besegelung an den jeweils herrschenden Wind wurde seit 1772 durch den Einbau sogenannter Jalousien umgangen. Dabei wurden die Fl\u00fcgel nicht mehr mit Segeltuch bespannt, sondern mit kleinen Holz- oder Blechlamellen versehen, die quer zur Fl\u00fcgelrute verliefen und durch ein Gest\u00e4nge mehr oder weniger stark geschlossen werden konnten.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter wurde die Fl\u00fcgelwelle durchbohrt, so da\u00df durch eine sinnreiche Mechanik alle Jalousieklappen gleichzeitig und w\u00e4hrend der Drehung der Fl\u00fcgel bet\u00e4tigt werden konnten. Eine weitere Erfindung war die drehzahlabh\u00e4ngige Offnungder Jalousieklappen durch einen einstellbaren Federzug. Ja\u00adlousiefl\u00fcgel wurden teils als wesentliche Neuerung gefeiert, teils \u2014 wegen des deutlich h\u00f6heren Gewichtes \u2014 entschieden abgelehnt, in Holland sucht man sie z. B. vergebens. Dagegen wurde der Westhoyeler Wallholl\u00e4nder zumindest f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum (wahrscheinlich um die Jahrhundert\u00adwende) und nur am Hausrutenpaar mit Jalousieklappen aus\u00adgestattet (s. Abb. vordere Innenseite).<\/p>\n<p>Windm\u00fchlen sind Bauwerke in meist exponierter Lage. Je nach Stellung der Fl\u00fcgel konnte der Windm\u00fcller seinen Mahl- g\u00e4sten mitteilen, ob gearbeitet wurde oder nicht oder ob eine notwendige Reparatur das Vermahlen verhinderte. Auch Familienereignisse wie Hochzeit oder Tod eines Angeh\u00f6rigen wurden durch die Fl\u00fcgelstellung signalisiert, der \u201aKode\u2018 war dabei landschaftlich unterschiedlich.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/54225332.swh.strato-hosting.eu\/wpmuehle\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Scherenstellung-001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-420\" title=\"Scherenstellung-001\" src=\"http:\/\/54225332.swh.strato-hosting.eu\/wpmuehle\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Scherenstellung-001-300x124.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"124\" srcset=\"https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Scherenstellung-001-300x124.jpg 300w, https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Scherenstellung-001-768x318.jpg 768w, https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Scherenstellung-001-1024x424.jpg 1024w, https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Scherenstellung-001-1200x497.jpg 1200w, https:\/\/windmuehle-westhoyel.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Scherenstellung-001.jpg 1399w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mit Neuerungen wie der Windrose und den Jalousiefl\u00fcgeln waren die Windm\u00fchlen auf einem technologischen H\u00f6chststand angelangt. So gab es 1882 fast 19.000 aktive Windm\u00fchlen im damaligen deutschen Reich.<\/p>\n<p>Diesem Zustand wurde durch das rasche Voranschreiten neuer Techniken (Dampfmaschine, Verbrennungsmotor, Elektrifizierung) rasch der Garaus gemacht. Die meisten M\u00fchlen verfielen, ungeachtet ihrer landschaftspr\u00e4genden Wirkung und Bedeutung als technische Kulturdenkmale.<\/p>\n<p>Erst in den letzten Jahrzehnten setzte ein Gesinnungswandel ein, am\u00fcsanterweise etwa zusammen mit dem Aufkommen der bis dahin verspotteten (und energietechnisch fraglichen) Windkraftmaschinen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entwicklung der M\u00fchlen Neben grundlegenden Erfindungen wie dem Rad und der geschickten Ausnutzung von Naturerscheinungen wie dem Feuer geh\u00f6rt das M\u00fchlenwesen zu den fr\u00fchesten Errungenschaften der Menschheit. M\u00fchlen z\u00e4hlen zu den ersten Maschinen,deren technische Vervollkommnung gegen Ende des letzten Jahrhunderts auf eine F\u00fclle teils wesentlicher Entwicklungen zur\u00fcckgeht: Holzbearbeitung, Werkzeugmacherei, pa\u00dfgenaue Herstellung von Getrieben und Zahnr\u00e4dern, um nur ein paar Beispiele zu nennen. 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