Verein

Im Jahr 2010  feiert der Verein zur Restaurierung und Erhaltung der Westhoyeler Windmühle sein 25jähriges Bestehen. Man sollte es kaum glauben, dass es schon so lange her ist, dass die Mühlenfreunde begonnen haben aus dem alten halb verfallenen Mühlenensemble ein Schmuckstück zu gestalten, das weit über die örtlichen und Landesgrenzen hinaus Freunde und Anhänger gefunden hat.

Die Mühlenfreunde haben viel Mühe und Arbeit, Fleiß und Herzblut darauf verwendet, das Ensemble zu restaurieren und zu erhalten. Mehr noch, seit 20 Jahren füllen sie das ganze mit Leben durch ihre Mahl- und Backtage in den Sommermonaten. Diese Mahl- und Backtage sind inzwischen ein fester Bestandteil im kulturellen Leben von Riemsloh und der Stadt Melle. Die vielschichtigen Aktivitäten neben der eigentlichen Darstellung des Mahlens und Backens um die Jahrhundertwende zeigen, dass großes Interesse an der Handwerksgeschichte besteht.

Allen Helferinnen und Helfern wie auch den Besuchern sei an dieser Stelle noch einmal herzlich für Hilfe und Interesse gedankt.

Warum sind alte Mühlen erhaltenswert?
In einer Zeit rasanter technischer Neuerungen mit unüberschaubaren, oft intuitiv als bedrohlich empfundenen Folgen werden die seit einigen Jahren landesweit betriebenen Mühlenrestaurierungen von einigen als verfehlte Verherrlichung von zum Glück längst überholten Techniken angesehen, während andere diese Bestrebungen als Erhaltung lebendiger Zeugnisse einer noch ‚heilen Welt‘ in  der vorgeblich ‚guten al ten Zeit‘ gutheißen.

Beide Sichtweisen haben Schwächen: Die Gangbarmachung alten Handwerksgerätes mit gelegentlichen Vorführungen außerhalb von Museen ist ohne Zweifel bestens dazu geeignet, einer breiten Bevölkerungsschicht überlieferte Techniken eindrucksvoll vor Augen zu führen. Demonstrationen vor Ort, im Nahbereich der Dörfer und Städte haben sicher einen anderen Stellenwert als Museumsvorführungen, zumal dann, wenn ältere Mitbürger, die ‚das alles noch selbst erlebt haben‘, einbezogen werden können und ggf. selbst mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Andererseits ist der Hinweis angebracht, daß damals die Sterblichkeit viel höher war als heute, andauernde soziale Spannungen schwelten zwischen den Klassen, das tägliche Leben erforderte mehr und vor allem viel mehr körperliche Arbeit als heute, Freizeit gab es kaum oder gar nicht. Eine ‚heile Welt‘  existierte also sicher nicht. Dafür hatte das Leben vielleicht andere Qualitäten: War der gemeinsame Plausch auf der Bank vor dem Haus abends nach getaner Arbeit wo möglich dem Verfolgen dutzender Fernsehprogramme vorzu ziehen?
Wenn die Besucherinnen und Besucher des Westhoyeler Wallholländers die Gelegenheit nutzen, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, nur einmal bewußt den Geruch frisch gemahlenen Mehls in der Nase haben, sich am Anblick der drehenden Windmühlenflügel erfreuen und den Unter schied zwischen fertig verpacktem Brot aus der Brotfabrik und dem Weg vom Korn zum Brot vor 50 bis 100 Jahren haut nah erleben, dann hat sich die Restaurierung und Erhaltung der alten Windmühle gelohnt.

Zur Vereinsgeschichte
Der Verein zur Restaurierung und Erhaltung der Westhoyeler Windmühle e.V. wurde am 12. 12. 1985 in der ehemaligen Gaststätte Belke in Riemsloh gegründet. Die 19 Teilnehmer der Gründungsversammlung wählten den folgenden Gründungsvorstand:

  • 1. Vorsitzender    Günter Oberschmidt
  • 2. Vorsitzender     Herbert Bäumer
  • Kassenwart         Josef Rohling †
  • Schriftführer        Hermann Tönsing †
  • Bauwart              Harald Heckmann

Die Mühle befand sich in einem Zustand, der umfangreiche Restaurierungsarbeiten notwendig machte.
Im Anschluß an die Gebäudesicherung wurde der folgende Zeitplan aufgestellt:

  • 1986       Planungsarbeiten und Abnahme der Mühlenkappe
  • 1987       Nachbau und Wiederaufsetzen der Kappe
  • 1988       Restaurierung des Mühlenturmes
  • 1989       Restaurierung des gehenden Werkes
  • 1990       Neubau/Einbau des Flügelkreuzes und Inbetriebnahme
  • 1992/93  Renovierung des Müllerhauses
  • 1994/95  Aufbau des Backhauses

Die 1985 angefertigte detaillierte Kostenaufstellung für die Bezuschussung des Projektes wird hier kurz zusammengefaßt (nur Gesamtkosten):

Windmühle 303.000,- DM
Müllerhaus 123.000,- DM
Außen anlagen 28.500,- DM
Summe 454.500,- DM
– Eigenleistung (20%) 90.900,- DM
+ MWSt. (14%) 50.904,- DM
Gesamt 414.504,- DM

Die Finanzierung erstreckte sich über 5 Jahre und ging von folgender Kostenaufteilung aus:

  • 30%        Landeszuschüsse
  • 15%        Landkreis Osnabrück
  • 10%        Landschaftsverband Osnabrück und Klosterkammer Hannover
  • 7.5%       Stadt Melle
  • 17.5%    Spenden
  • 20%        Eigenleistung

Sowohl der Planungszeitraum als auch der Finanzrahmen wurden genau eingehalten. Die Windmühle wurde am Niedersächsischen Mühlentag 1990 mittels Windkraft wieder in Betrieb genommen.
Das neben der Mühle stehende Müllerhaus aus Ziegelsteinen mit einem angebauten Fachwerktrakt (der als Viehstall diente) ist hinsichtlich seiner Entstehung nicht datierbar, es wurde vermutlich in mehreren Abschnitten gebaut. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten wurde das ehemalige Müllerhaus am 31.5.1993 (Niedersächsischer Mühlentag) seiner Bestimmung als Vereinshaus übergeben. Der Verein nahm danach den Aufbau eines Backhauses auf dem Gelände der Windmühle in Angriff. Dieses Projekt wurde im Juni 1995 beendet. Seitdem können Besucher in Westhoyel den Weg ‚vom Korn zum Brot‘ vollständig erleben.

Der derzeitige Vorstand dankt allen, die durch Einsatzbereitschaft und ehrenamtliche Tätigkeiten zum Gelingen des Vorhabens beigetragen haben.

  • Günter Oberschmidt (1. Vorsitzender)
  • Jan Petering (2. Vorsitzender)
  • Konstantin Strohmeyer (Kassenwart)
  • Beate Barmeier (Schriftführerin)
  • Harald Heckmann (Bauwart)